Mittwoch, 7. April 2021

Bücherhelden für den Lockdown (9)

Isabel Bogdans Held „der Pfau“

Was einem in Zeiten der Pandemie schon mal gänzlich abhandenkommen kann, ist der Humor. Und das, obwohl er gerade in diesen Zeiten wichtiger ist denn je, um psychisch einigermaßen unbeschadet die nun schon viel zu lange andauernde Durststrecke zu überstehen. Da hilft nur eins: ab und zu mal lachen, schmunzeln oder zumindest ein wenig kichern. Ein Buch, bei dem man das wunderbar kann, ist Isabel Bogdans „Der Pfau“:
Pointenreich, very british und urkomisch erzählt Isabel Bogdan von einem Wochenende, an dem alles anders kommt als geplant: Eine Gruppe Investmentbanker reist samt ambitionierter Psychologin und erfindungsreicher Köchin aus London an, um in der ländlichen Abgeschiedenheit bei einer Teambildungsmaßnahme die Zusammenarbeit zu verbessern.
Doch das spartanische Ambiente und ein verrückt gewordener Pfau bringen sie dabei gehörig aus dem Konzept. Und nicht nur sie: Denn die pragmatische Problemlösung des Hausherrn Lord McIntosh setzt ein Geschehen in Gang, das sämtliche Beteiligte an die Grenzen ihrer nervlichen Belastbarkeit bringt…
Ein Buch für die humorlosen Stunden des Lockdowns!

Montag, 8. März 2021

Bücherhelden für den Lockdown (8)

Alex Capus‘ Held „Max“

Es gibt so einiges, das einem in Zeiten der Pandemie wieder stärker bewusst wird als sonst. Der Wert von Treffen mit Freunden und Familie zum Beispiel oder die Bedeutung eines Friseurbesuchs für das eigene Wohlbefinden. Was wir ebenfalls wieder mehr schätzen lernen, sind die positiven Kleinigkeiten im Alltag, die wir in der Betriebsamkeit und Hetze normalerweise gerne übersehen oder zumindest nicht bewusst wahrnehmen.
Von diesen Kleinigkeiten handelt Alex Capus‘ Roman „Das Leben ist gut“, dessen Erzählung fast unauffällig dahinzuplätschern scheint und aber gerade darin eine unglaubliche Tiefe entfaltet. Wenn man sich auf diese Geschichte einlässt – und der Lockdown wäre einer der besten Zeitpunkte dafür – kann man mehr erleben als in so manchem Krimi:
Max ist seit 25 Jahren mit Tina verheiratet, sie ist die Liebe seines Lebens. Er betreibt eine kleine Bar, tagsüber bringt er das Altglas weg, repariert das Mobiliar. Max liebt sein Leben, so wie es ist, seine Familie, seine Freunde. Das wird ihm einmal mehr bewusst, als Tina zum ersten Mal in ihrer gemeinsamen Ehe beruflich ohne ihn unterwegs ist. ›Das Leben ist gut‹ verteidigt das, was im Alltag schnell übersehen wird.
Ein Buch für die besonderen Stunden des Lockdowns!

 

Montag, 1. März 2021

Bücherhelden für den Lockdown (7)

James Gould-Bourns Held „Danny“

Positive Geschichten sind es, die wir momentan mehr denn je brauchen, um nicht aus dem Auge zu verlieren, dass es am Ende auch immer wieder gut ausgehen kann. Denn immerhin dauert die Pandemie-Situation nun schon ein Jahr an und ein Ende ist noch nicht wirklich in Sicht. Da kann James Gould-Bourns Roman „Pandatage“, wenn einem in Tagen des Lockdowns die Decke auf den Kopf fällt, durchaus ein wenig dabei helfen, die Stimmung zu heben. Auch wenn es anfangs aussichtslos zu sein scheint:
Danny Malooley hat es schwer. Ein Glückspilz war er noch nie, aber seitdem seine Frau vor etwas mehr als einem Jahr bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, läuft gar nichts mehr glatt. Sein kleiner Sohn Will hat aufgehört zu sprechen, Danny verliert den Job, und als ihm auch noch sein Vermieter mit Rausschmiss droht, kauft er von seinem letzten Geld ein Pandakostüm, um als Tanzbär Geld zu verdienen. Doch tanzen kann er leider auch nicht.
Das Kostüm ist ein Ladenhüter und billig, deshalb muss es als Verkleidung herhalten. Ein neuer Straßenkünstler ist geboren. Anfangs macht sich Danny vor allen Dingen lächerlich, aber als sich die Pole-Tänzerin Krystal seiner erbarmt und ihm Tanznachhilfe gibt, geht es langsam aufwärts, auch mit Sohn Will… Ein Roman voller Situationskomik, der rührend und saukomisch zugleich eine der liebenswertesten Vater-Sohn-Beziehungen in der Literatur beschreibt.
Ein Buch für die familienlosen Stunden des Lockdowns!

 

 

Sonntag, 21. Februar 2021

Bücherhelden für den Lockdown (6)

Pierre Jarawans Held „Amin“

In Zeiten von Corona haben wir in Europa vielleicht ab und zu das Gefühl, unter extrem schwierigen Umständen zu leiden. Da kann es manchmal ganz heilsam sein, sich bewusst zu machen, dass man in anderen Teilen der Welt mit noch schlimmeren Belastungen und Ängsten leben muss.
Dabei kann Pierre Jarawans „Ein Lied für die Vermissten“ helfen, das eine Welt voller sinnlicher Eindrücke und Emotionen, einfühlsam, spannend und virtuos mit der bewegten Geschichte des Nahen Ostens verknüpft und so in keinster Weise deprimierend, sondern vielmehr sehr lebensbejahend ist:
Als 2011 der Arabische Frühling voll entfacht ist, löst der Fund zweier Leichen auch in Beirut erste Unruhen aus. Während schon Häuser brennen, schreibt Amin seine Erinnerungen nieder: an das Jahr 1994, als er als Jugendlicher mit seiner Großmutter in den Libanon zurückkehrte – zwölf Jahre nach dem Tod seiner Eltern. An seine Freundschaft mit dem gleichaltrigen Jafar, mit dem er diese verschwiegene Nachkriegswelt durchstreifte. Und daran, wie er schmerzhaft lernen musste, dass es in diesem Land nie Gewissheit geben wird – weder über die Vergangenheit seines Freundes, noch über die Geschichte seiner Familie.
Ein Buch für die hysterischen Stunden des Lockdowns!