Mittwoch, 21. Oktober 2020

Bücherhelden-Bühne (1)

 „Jedes Buch, das Ihr gelesen habt in Eurem Leben und in dem Ihr Euch verlort, weil Ihr es liebtet, ist ein Stück Eures Lebensweges, ganz gleich zu welcher Zeit dies geschah.“

William von Baskerville in „Das Antiquariat der Träume“ von Lars Simon

Dienstag, 20. Oktober 2020

Bühne frei für Bücherhelden!

Vor nicht allzu langer Zeit entdeckte ich ein im Mai erschienenes Buch, das nicht nur Büchern, sondern auch ihren Helden eine wunderbare und bezaubernde Bühne bietet.

Lars Simon erweckt in seinem „Antiquariat der Träume“ Literaturfiguren wie Pippi Langstrumpf, Sherlock Holmes und Doktor Dolittle, aber auch Cyrano de Bergerac, William von Baskerville und sogar das weiße Kaninchen aus „Alice im Wunderland“ wieder zum Leben. Und gerade deshalb hat seine Geschichte über die Magie der Bücher es verdient, dass ihr hier - in einem Bücherhelden-Forum - eine kleine Reihe gewidmet wird, in der er und seine Figuren zu Wort kommen sollen.

Viel Spaß bei einer kleinen Reise durch das Antiquariat der Träume, die Lust auf mehr macht…

Sonntag, 19. Juli 2020

Max & Moritz und Corona

Dieses war der xte Streich…

… doch der nächste folgt sogleich. Dieses Motto könnte auch ganz gut über den Corona-Maßnahmen der vergangenen Monate stehen. In der Rückschau mutet die Entwicklung der deutschen Beschränkungen, Verbote und anschließenden Lockerungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie manchmal wirklich wie die Aneinanderreihung unzähliger Streiche an.
Nach Versammlungsverbot und Schulschließungen folgte vielerorts die Schließung von Gastronomie- und Dienstleistungsbetrieben. Nachdem man uns wochenlang einhellig erklärt hatte, dass das Tragen eines Mundschutzes die Ansteckungsgefahr in keinster Weise verringern würde, wurde schließlich doch noch eine Mundschutzpflicht in vielen öffentlichen Bereiche eingeführt. Eine wichtige Pressekonferenz jagte die andere, und einige Politiker eröffneten einen spannenden Konkurrenzkampf um die beste, schnellste oder wirkungsvollste Corona-Maßnahme. Und der nächste Streich folgte sogleich…
Was die Streiche von Max und Moritz betrifft, so wären viele ihrer Lausbübereien in Coronazeiten so überhaupt nicht möglich gewesen. Lehrer Lämpel wäre vermutlich nicht in der Kirche zugange gewesen, so dass Max und Moritz seine Pfeife nicht hätten präparieren können. Und Schneider Böck wäre in Zeiten strengster Ausgangsbeschränkung wohl kaum mit ein paar Lästereien aus dem Haus und auf die angesägte Brücke zu locken gewesen.
Max und Moritz hätten Tag aus Tag ein brav zu Hause bleiben müssen und hätten weder Maikäfer sammeln noch Mehlsäcke anschlitzen oder Brathähnchen klauen können. Ihrer Umgebung wäre also vermutlich so einiges erspart geblieben...

Dienstag, 30. Juni 2020

Miss Marple und Corona

Corona ahoi!

Agatha Christies Miss Marple kann ich mir (vor allem in der Verkörperung durch die Schauspielerin Margaret Rutherford) sehr gut beim Tragen eines Mundschutzes vorstellen. Zum einen würde die Atemschutzmaske ihr schrulliges Auftreten noch unterstreichen, da zu vermuten wäre, dass sie ihn ab und zu (wie man es in diesen Zeiten immer wieder sieht) unter der Nase oder auch am Kinn tragen würde. Zum anderen würde das konsequente Tragen des Mundschutzes sicher auch einige Möglichkeiten an ungewollten Ungeschicklichkeiten oder witzigen Slapstick-Einlagen bereithalten.
Trotzdem wäre das Ermitteln auf eigene Faust für Miss Marple in Coronazeiten sicherlich nicht gerade einfach bis nahezu unmöglich. Mörder in ihrer Nähe könnten sich also ins Fäustchen lachen. Immerhin würde die alte Dame in jedem Fall der Risikogruppe 60plus angehören, was ihren Bewegungsradius extrem einschränken würde. Und selbst wenn sich Miss Marple, was wir ihr sicher zutrauen, nicht im Geringsten um irgendwelche Ausgangsbeschränkungen kümmern würde, so wäre es im allgemeinen Shutdown wahrscheinlich deutlich schwerer, an Informationen und Beweise zu kommen als sonst.
Miss Marples extravagante und manchmal gewöhnungsbedürftige Art der Ermittlung besteht ja gerne mal darin, sich unauffällig im Umfeld des Opfers aufzuhalten, einzuschleusen oder sogar einzunisten. Das aber hätte in Zeiten des Corona-Virus sicher bei kaum jemandem Anklang gefunden oder auch nur in irgendeiner Form zum Erfolg geführt.
Schwere Zeiten also für Agatha Christies Privat-Ermittlerin! Auch wenn mit Mr. Stringer wohl eine Art Lebensgemeinschaft vorausgesetzt und demzufolge eine enge Zusammenarbeit möglich gewesen wäre. Aber so ganz ohne Recherche und Beweisaufnahme vor Ort wahrscheinlich doch meistens ziemlich erfolglos…
Weiter geht’s in Kürze mit Max & Moritz!

Freitag, 19. Juni 2020

Struwwelpeter & Co. und Corona

Miau! Mio! Miau! Mio! Shutdown mit allem Pipapo

Für Heinrich Hoffmanns Struwwelpeter müsste eine Coronakrise das wahre Paradies gewesen sein. Immerhin hat die Titelfigur des bekannten Buches eine extreme Abneigung gegen Kamm und Schere, so dass ihm die wochenlange Schließung sämtlicher Friseurläden und Kosmetikstudios vermutlich sehr gelegen gekommen wäre. Nachdem heute nicht mehr so viele Eltern ihren Kindern selbst die Haare schneiden, wäre er wahrscheinlich für einige Zeit von einem neuen Haarschnitt verschont geblieben – besser geht’s nicht.
Auch Paulinchens Schicksal wäre in Zeiten von Corona vermutlich ein anderes gewesen. Denn dass sie in der Krise „allein zu Haus“ und „die Eltern beide aus“ wären, ist extrem unwahrscheinlich bis utopisch. Schließlich bestand die Vorgabe, ohne triftigen Grund zu Hause zu bleiben, über viele Wochen äußerst streng und auch jetzt, in Zeiten der Lockerung, sind die Möglichkeiten einer ausgedehnten aushäusigen Abendgestaltung nicht besonders reich gesät. Paulinchen hätte also keinerlei Möglichkeit zu zündeln und wäre, wie Werther und Gretchen (siehe 12. und 21.Mai 2020), vermutlich noch am Leben.
Auch Hanns Guck-in-die-Luft und der fliegende Robert könnten in der Coronakrise auf Rettung hoffen. Denn beide Schicksale, der Sturz ins Wasser und der Flug durch den tosenden Sturm, hängen eng mit der Bewegung an der frischen Luft zusammen, die in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen sicher nicht so einfach und ausgedehnt und vor allem ohne Eltern möglich wären.
Anders sieht es beim Daumenlutscher und beim Zappel-Philipp aus. Ersterer hätte wahrscheinlich aufgrund mangelnder Betreuungsmöglichkeiten in Corona-Zeiten noch mehr Gelegenheiten zum Lutschen als sowieso schon. Und letzterer wäre wegen deutlicher Bewegungseinschränkung durch Ausgangsverbot vermutlich noch zappeliger als ohnehin. Beide würden also ähnlich elend enden wie ohne das Virus.
Würde Heinrich Hoffmann heutzutage leben, so könnte er seiner Geschichtensammlung zum Thema kindlicher Ungehorsam aber auf jeden Fall wunderbar die eine oder andere Erzählung über mangelnden Abstand, Corona-Parties oder Mundschutzpflicht hinzufügen…
Weiter geht’s in Kürze mit Miss Marple!

Donnerstag, 11. Juni 2020

Robin Hood und Corona

Corona-Held in Strumpfhosen

Von sämtlichen Bücherhelden am meisten für die Coronakrise geradezu prädestiniert scheint vermutlich Robin Hood, dessen Schicksal in unzähligen Varianten Eingang in die Literaturgeschichte fand. Als kompromissloser Kämpfer für soziale Gerechtigkeit sowie Rächer und Beschützer der Armen hätte der englische Räuberhauptmann in Zeiten von Corona wahrscheinlich mehr denn je zu tun.
Denn wie immer in (wirtschaftlich) schwierigen Phasen geht es den Kleinen deutlich eher an den Kragen als den Großen. Firmen wie Lufthansa, Tui, Adidas oder diverse Autokonzerne erhalten horrende Kredite oder Staatshilfen, kleinere Unternehmen dagegen bleiben immer wieder auf der Strecke. In einer solchen Situation wäre ein Retter wie Robin Hood wirklich Gold wert!
Welche Wege der „König der Diebe“ finden würde, um den Kleinen auf Kosten der Großen zu helfen, wissen wir nicht. Vermutlich ginge es dabei aber nicht mehr um die klassischen Raubzüge im Sherwood Forest, sondern eher um digitale oder mediale Aktionen, mit denen Robin Hood kleinen Unternehmen, Künstlern und alten Menschen unter die Arme greifen würde. In der heutigen Zeit würde er mit seinem Gerechtigkeitssinn, seiner Schlitzohrigkeit und seinem Widerstand gegen Obrigkeiten im Internet sicher den einen oder anderen Treffer landen und so die Armen und Hilflosen erfolgreich unterstützen können.
Unter Umständen hätte er in der einen oder anderen Woche zu Beginn der Krise jedoch auch mit ein paar klassischen Raubzügen für eine gerechtere Verteilung von Klopapier, Trockenhefe oder Mehl gesorgt. In jedem Fall befinden wir uns aufgrund von Corona mal wieder in einer Zeit, die für Robin Hood jede Menge Betätigungsfelder bereithalten würde…
Weiter geht’s in Kürze mit Struwwelpeter & Co.!

Mittwoch, 27. Mai 2020

Hörbe und Corona

Vom Obendrüber- und Untendrunter-Mundschutz

Ob sich ein Hutzelmann aus dem Siebengiebelwald mit dem Coronavirus infizieren könnte, wüsste wahrscheinlich nur ihr Erfinder Otfried Preußler. Leider können wir ihn nicht mehr fragen.
Sollte das Virus allerdings auch für Hörbe und seine Freunde eine Gefahr darstellen, hätten sie vermutlich etwas, das im Kampf gegen eine Ansteckung von großem Nutzen sein kann. Wahrscheinlich hat sogar in den vergangenen Wochen hierzulande schon der eine oder andere eine ähnliche Konstruktion in Erwägung gezogen.
Denn wie der aufmerksame Hörbe-Leser weiß, hat der Hutzelmann einen Obendrüber- und einen Untendrunterhut, die er übereinander trägt und für unterschiedlichste Situationen wahlweise zusammen oder getrennt nutzen kann. Frei nach dem Motto „doppelt genäht hält besser“.
Da das doppelte Hutsystem für Hutzelmann Hörbe auf seiner Wanderschaft nicht nur einmal zum Lebensretter wird, kann man sich vorstellen, dass auch eine Corona-Abwandlung des Konzepts in Krisenzeiten hilfreich sein könnte. So könnte man der Angst vor Ansteckung sicher auch mit einem Obendrüber- und einem Untendrunter-Mundschutz begegnen.
Diejenigen, die seit Wochen kritisieren, dass die meisten Materialien handelsüblicher Masken zu dünn sind und zu wenig Schutz vor einer ausgestoßenen Virenwolke bieten, müssten logischerweise eine solche Doppelvariante begrüßen. Das beweist mal wieder, dass man von Kinderbuch-Helden für alle Lebenslagen so einiges lernen kann…
Weiter geht’s in Kürze mit Robin Hood!