Sonntag, 23. Juni 2024

Bücherhelden der Fußball-EM-Länder (8)

Die Schweizer in „Das Leben ist gut“

Die Schweizer spielen heute in Frankfurt gegen die Deutschen und auch in Alex Capus‘ Roman „Das Leben ist gut“ eine große Rolle:

Im Zentrum der Handlung von „Das Leben ist gut“ steht die Sevilla-Bar, eine – wie der Name schon sagt – spanische Kneipe, eine Tapas-Bar irgendwo in einer mittelgroßen Stadt in der Schweiz. Gegen Abend wird das schwere Rollgitter hochgeschoben. Dann öffnet die Bar, die üblichen Flaschen an den Wänden, ein ausgestopfter Stierkopf über dem Tresen. Dort sitzen sie an den abgewirtschafteten Holztischen, die Frauen, die sich einander zuwenden, die Stammgäste und die stillen Trinker am Tresen, eben die unterschiedlichsten Schweizer. Der Ich-Erzähler Max zapft das Bier und leert die Aschenbecher.

Er ist seit 25 Jahren mit Tina verheiratet, der Liebe seines Lebens. Max liebt sein Leben, so wie es ist, seine Familie, seine Freunde. Das wird ihm einmal mehr bewusst, als Tina zum ersten Mal in ihrer gemeinsamen Ehe beruflich ohne ihn unterwegs ist. Max bringt das allerdings nicht aus der Ruhe, er kümmert sich um die Kinder und um seine Bar.

Und macht sich Gedanken. Über das Fortgehen und Wiederkommen, über Vertrautes und Fremdes, über das Unterwegssein, über das Suchen und Finden, über das Glück, die Zufriedenheit und die Liebe. Er hat seine Stadt noch nie verlassen, von Urlaubsreisen einmal abgesehen, hat noch nie woanders gelebt. Und kann sich das auch nicht vorstellen. Bodenständigkeit als Lebensentwurf: Max geht es nicht um Selbstfindung durch rastloses Umherirren, sondern um das alltägliche Glück durch Verharren an ein und demselben Ort.

Von diesem Glück handelt Alex Capus‘ Roman „Das Leben ist gut“, dessen Erzählung fast unauffällig dahinzuplätschern scheint und aber gerade darin eine unglaubliche Tiefe entfaltet. Wenn man sich auf diese Geschichte, kann man mehr erleben als in so manchem Krimi…

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen